Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
BVD

Bovine Virusdiarrhoe

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Ein Tierarzt untersucht ein Kalb
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Die Bovine Virus Diarrhoe (BVD) ist eine Rinderkrankheit, die zu den verlustreichsten Virusinfektionen zählt und durch das sogenannte Pestivirus ausgelöst wird.  Meist breitet sich die Infektion unbemerkt im Bestand aus, weil anfänglich keine oder leichte Krankheitssymptome wie Nasenausfluss, Atemwegserkrankungen und Durchfall zu beobachten sind.

Die Infektion während der Trächtigkeit verursacht allerdings hohe wirtschaftliche Schäden und wird meist erst nach Monaten in aller Deutlichkeit erkennbar. Dabei hängt es davon ab, zu welchem Zeitpunkt sich das tragende Rind mit dem BVD-Virus ansteckt.

BVD ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, zu der vom Bund eine BVDV-Verordnung erlassen worden ist. Alle Rinder in Deutschland die jünger als sechs Monate sind müssen auf BVD-Virus untersucht werden. Dauerausscheider müssen getötet werden. Es dürfen nur noch BVD-unverdächtige Rinder aus den Beständen abgegeben und gehandelt werden. Die gestzliche Grundlage ist die Bundesverordnung zum Schutz der Rinderbestände gegen eine Infektion mit dem Bovinen Virusdiarrhoe-Virus (BVDV). Sie ist am 1. Januar 2011 in Kraft getreten. Ziel der Verordnung war die Schaffung BVDV-unverdächtiger Bestände durch eine möglichst frühzeitige Erkennung und Merzung von Dauerausscheider (PI-Tiere = persistent-infizierte Tiere), die für die Verbreitung der Infektion in der Population verantwortlich sind. Um die PI Tiere frühzeitig zu identifizieren, wird entweder durch Einziehen einer speziellen Ohrmarke mit Stanze (Ohrmarkenstanze) oder eine Blutuntersuchung auf BVDV durchgeführt.

Damit PI-Tiere erst gar nicht zusammen mit anderen Tieren transportiert werden, enthält die neue Verordnung zahlreiche Handelsbeschränkungen für nicht BVDV-unverdächtige Rinder.

In Zusammenarbeit mit der Hessischen Tierseuchenkasse und dem hessischen Bauernverband, hat das Land Hessen ein freiwilliges BVDV Bekämpfungsprogramm entwickelt, das am 1. Januar 2010 begonnen hat. Durch dieses Programm sollen zum einen die Bestände über die Identifizierung und Merzung der PI-Tiere saniert werden, zum anderen soll den Rinderhaltern, die frühzeitig dem Programm beitreten, eine frühzeitige Erreichung des Bestandsstatus „unverdächtig“ ermöglicht werden.

PI-Tiere entstehen im Mutterleib

Werden tragende Tiere infiziert, die selbst noch keinen Kontakt mit dem BVDV-Virus hatten, kommt es zur Infektion der Frucht im Mutterleib. Je nach Stadium der Trächtigkeit sind dabei unterschiedliche Verläufe möglich. Im ersten Drittel der Trächtigkeit wird das BVDV-Virus meist wie ein Körperbestandteil behandelt. Das Kalb bleibt lebenslang („persistent”) von dem Virus besiedelt, bildet auch im späteren Leben keine Antikörper gegen dieses Virus (Immuntoleranz) und scheidet ständig BVD-Virus in hohen Konzentrationen aus. Die betroffenen Tiere werden deshalb als Dauerausscheider, PI-Tiere oder auch „Virämiker“ bezeichnet. Erfolgt die Infektion des Kalbes im Mutterleib etwas später, d.h. im ersten Monat des zweiten Drittels der Trächtigkeit, treten Missbildungen auf. Betroffene Kälber können nach der Geburt meist nicht stehen, saufen aber zum Teil noch. Sie leiden häufig an Augen- und Kleinhirnschäden, oft auch an einem Wasserkopf. Kopfnackenhaltung oder Festliegen in Seitenlage sind typische Symptome. Im letzten Drittel der Trächtigkeit ist das Kalb im Mutterleib bereits in der Lage, sich wie ein erwachsenes Tier mit der Infektion auseinander zu setzen. Er bildet bereits im Mutterleib Antikörper gegen das Virus. Anstelle der beschriebenen Krankheitsbilder können durch die Infektion in der ersten Trächtigkeitshälfte auch Verkalbungen ausgelöst werden. An der Mucosal disease (Schleimhautkrankheit), der schweren Verlaufsform der BVDV- Infektion, können nur die Dauerausscheider erkranken, die im Mutterleib mit BVDV- Virus persistent (fortwährend) infiziert wurden.

Was schreibt die Verordnung im Einzelnen vor?

Alle Kälber müssen ab 1. Januar 2011 spätestens bis zur Vollendung des 6. Lebensmonats auf BVDV-Virus untersucht werden. Dies kann durch die Untersuchung von Ohrstanzen, aber auch durch die Untersuchung von Blutproben erfolgen. Im Falle Antigen-positiver Befunde ist die Viruspersistenz durch eine Wiederholungsuntersuchung der betreffenden Rinder nach frühestens 21 Tagen und längstens 60 Tagen zu bestätigen. Im Falle von Ohrstanzprobenuntersuchung genügt für die Gewährung von Merzungsbeihilfen ein positives Erstergebnis als Virämiker - Nachweis. In Ausnahmefällen kann auf Wunsch des Tierhalters eine Wiederholungsuntersuchung durchgeführt werden. Sollte die Nachuntersuchung versäumt werden, wird das Kalb auch ohne Nachuntersuchung als PI-Tier eingestuft. PI-Tiere müssen unverzüglich getötet oder geschlachtet werden. Der Transport zur Schlachtstätte darf dabei nur unmittelbar (direkt) und nur zusammen mit anderen Tieren erfolgen, die in derselben Schlachtstätte geschlachtet werden. Werden tragende Tiere in einen Bestand zugekauft, muss von deren Kälbern in jedem Fall unverzüglich nach der Geburt eine Probe auf BVDV-Virus entnommen werden.

Ab Januar 2011 dürfen nur noch BVDV-unverdächtige Rinder (unabhängig vom Alter) aus einem Bestand verbracht oder in einen Bestand eingestellt werden. BVDV-unverdächtig sind Tiere, die einmal im Leben mit negativem Ergebnis auf BVDV-Virus untersucht wurden. BVDV-unverdächtig ist aber auch ein Muttertier, dessen Kalb oder Jungrind mit negativem Ergebnis auf BVDV-Virus untersucht wurde (abgeleiteter Status). Für Tiere, die am  1. Januar 2011 über 6 Monate alt sind, sind Ausnahmen von der Untersuchungspflicht möglich, wenn die Rinder des aufnehmenden Betriebes ausschließlich in Stallhaltung gemästet und unmittelbar zur Schlachtung abgegeben werden oder wenn alle verbrachten Rinder unverzüglich in derselben Schlachtstätte geschlachtet werden.

Unverdächtiger Bestand – noch ist nicht alles klar

Ein BVDV-unverdächtiger Bestand ist ein Bestand, in dem alle Rinder bzw. deren Kälber mit negativem Ergebnis auf BVDV-Virus untersucht wurden und in dem anschließend in einem Zeitraum von 12 Monaten alle nachgeborenen Rinder spätestens bis zum Ende des sechsten Lebensmonats ebenfalls mit negativem Ergebnis auf BVDV- Virus untersucht wurden. In dieser Zeit dürfen in dem Bestand keine Krankheitserscheinungen auftreten, die auf BVDV hindeuten. Es dürfen nur BVDV-unverdächtige Tiere eingestellt werden und die Tiere dürfen keinen Kontakt zu nicht BVDV-unverdächtigen Tieren außerhalb des Bestandes haben. Aufrechterhalten wird der Status „BVDV-unverdächtiger Bestand“ nach dem derzeitigen Stand der Verordnung durch die fortwährende Nachuntersuchung aller nachgeborenen Kälber auf BVDV-Virus (weibliche und männliche). Kälber aus BVDV-unverdächtigen Beständen können dann auch im aufnehmenden Bestand untersucht werden, wenn sie im aufnehmenden Bestand unverzüglich beprobt werden und dort bis zur Vorlage des Untersuchungsergebnisses von den übrigen Rindern des Bestandes abgesondert werden. Zur Zeit wird die Forderung einiger Bundesländer, dass die zur Mast vorgesehenen männlichen Kälber aus BVDV-unverdächtigen Beständen nicht mehr untersucht werden sollen auf Bundesebene diskutiert. Der Ausgang der Diskussion ist noch nicht absehbar. Rinder können aber auch ohne den Status „BVDV-unverdächtiger Bestand“ gehandelt werden, wenn sie selbst BVDV-unverdächtig sind.

Probenentnahme mit Ohrstanzen

Für die Entnahme der Ohrstanzen enthält der Dornteil der Ohrmarke eine Probenentnahmekanüle mit einem scharfen Metallrand. Beim Einziehen der Ohrmarke wird mit dem scharfen Rand der Entnahmekanüle ein kleines rundes Hautstück ausgestanzt, das dann mit der Entnahmekanüle nach dem Einziehen der Ohrmarke in der Ohrmarkenzange verbleibt. Über die Entnahmekanüle wird dann eine durchsichtige Schutzhülle geschoben und mit der Zange festgeklickt. Sowohl auf dem Kopf der Entnahmestanze als auch auf der Schutzhülle ist die Nummer der Lebensohrmarke als Barcode aufgedruckt. Die fertige Ohrstanze kann mit der Post an den Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) versandt werden, wobei spezielle Versandtaschen bereits bei der Lieferung der Ohrstanzen enthalten sind. Die Ergebnisse der Ohrstanzuntersuchungen werden in das HI-Tier-System eingestellt und können dort vom Landwirt abgerufen werden. Positive Untersuchungsergebnisse und die Mitteilung über nicht verwertbare Probeneinsendungen werden dem Tierhalter durch den LHL schriftlich übersendet.

Die Ohrstanzen können im Kühlschrank gelagert werden, so dass auch mehrere Stanzen zum Einsparen von Porto gemeinsam versandt werden können. Zu beachten ist aber, dass die vier Wochen Einsendefrist insgesamt nicht überschritten wird.

Unterstützungen durch die Tierseuchenkasse

Die Hessische Tierseuchenkasse gewährte 2010 für PI-Tiere eine gestaffelte Ausmerzungsbeihilfe.

Die Ausmerzungsbeihilfe beträgt für:

  • Rinder bis einschließlich 6 Monate Alter                    90,00 Euro
  • Rinder von 7 bis einschließlich 24 Monaten Alter    150,00 Euro
  • Rinder älter 24 Monate                                             300,00 Euro

Die Härtebeihilfe für Rinder die nachweislich an BVDV/MD verendet sind entfällt 2010.

Mit Unterzeichnung der Verpflichtungserklärung zur Schaffung bzw. zur Erhaltung eines BVDV- unverdächtigen Rinderbestandes werden die Ohrstanzmarken und das für die Untersuchungen erforderliche Material durch die Hessische Tierseuchenkasse finanziert. Die im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor anfallenden Personalkosten werden durch das Land Hessen übernommen. Die tierärztlichen Gebühren für die Probenentnahmen bei Blutproben sowie die Kosten für die benötigten geeigneten Transportumschläge trägt der Tierhalter.

Die Verpflichtungserklärungen können bei den zuständigen Ämtern für Veterinärwesen und Verbraucherschutz angefordert werden.

Die hessischen Rinderhalter sollten sich auf den Beginn der flächendeckenden BVDV-Bekämpfung vorbereiten und auf freiwilliger Basis dem hessischen Bekämpfungsprogramm beitreten. So besteht die Möglichkeit, im Laufe des Jahres 2010, den Gesamtbestand auf das BVDV-Virus zu kontrollieren, eine Sanierung einzuleiten und 2011 frühzeitig den Bestandsstatus „unverdächtig“ zu erreichen.

Weitere Informationen können auch auf der Website der Hessischen Tierseuchenkasse abgerufen werden.