Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
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Hessens Nationalpark

Nationalpark Kellerwald-Edersee

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Skurrile Baumgestalten am Hagenstein im Nationalpark Kellerwald-Edersee - © Nationalpark Kellerwald-Edersee
Skurrile Baumgestalten am Hagenstein im Nationalpark Kellerwald-Edersee
© Nationalpark Kellerwald-Edersee

In Deutschland gibt es derzeit 16 Nationalparke. Als einer der jüngsten wurde der Nationalpark Kellerwald-Edersee am 1. Januar 2004 ausgewiesen. Der einzige Nationalpark Hessens schützt auf einer Gesamtfläche von 5.738 ha einen der größten zusammenhängenden Buchenwälder Mitteleuropas. Natur darf Natur sein. Die ausgedehnten alten Laubwälder werden nicht mehr genutzt und so entsteht hier „Wildnis von morgen“. Seit 2011 ist ein Teilgebiet des Nationalparks Kellerwald-Edersee  im transnationalen UNESCO-Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands“ ausgezeichnet.

Die charakteristische Waldgesellschaft des Nationalparks ist der bodensauere Hainsimsen-Buchenwald. Auf nährstoffreicheren Standorten kommt kleinflächig der Waldmeister- und Perlgras-Buchenwald vor. Hinzu kommen eine Vielzahl besonderer Wälder wie Eichen-Trockenwald, Eichen-Hainbuchenwald sowie Blockschutt- und Hangwälder mit Winter- und Sommerlinde und anderen Edellaubhölzern. An den Steilhängen des Edersees gibt es zahlreiche Silikatfelsfluren mit der europaweit hoch gefährdeten Pfingst-Nelke. Die Hainsimsen-Buchenwälder zeichnen sich durch ihre Naturnähe und einen überdurchschnittlich hohen Altholzanteil mit Urwaldrelikten aus. Rund die Hälfte der Bäume im heutigen Nationalpark ist über 120 Jahre alt. Auf mehr als 1.000 ha sind die Buchenwälder mehr als 160, teilweise  sogar bis zu 260 Jahre alt. Der Kellerwald wird geprägt durch die bodensauren Buchenwälder des Mittelgebirges auf Schiefer und Grauwacke. An Felssteilhängen und Blockschutthalden erreicht die Buche hier ihre natürliche Waldgrenze und bildet bizarr gewachsene Baumgestalten.

Urige Wälder auf Bergkuppen und in Schluchten, über 1.000 reinste Quellen und Bäche sowie ruhige Waldwiesentäler bilden wertvolle Lebensräume und sind die Schätze des Nationalparks, der ca. 50 km südwestlich von Kassel liegt.

Diese zuvor weitestgehend forstlich genutzte Fläche wurde 2004 aus der Nutzung genommen, um sich nun als Nationalpark natürlich und ursprünglich zu entwickeln. Hier hat die Natur das Sagen: im Nationalpark laufen die natürlichen Prozesse ganz ungestört ab, forstwirtschaftliche Nutzung ist ausgeschlossen. So finden Sie hier eine einzigartige Vielfalt an Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten.

Die Ziele unseres Nationalparks

Der Rotbuchenwald, der sich im Nationalpark Kellerwald-Edersee befindet, ist in seiner Größe und Naturnähe für Westeuropa einmalig. Er soll dauerhaft unter Schutz gestellt werden. Nach dem Motto „Natur Natur sein lassen“ soll sich hier die Wildnis von morgen entwickeln. Schon heute erfüllt der Nationalpark die Kriterien der IUCN (Internationale Union zum Schutz der Natur), wonach mindestens 75 Prozent der Fläche ohne menschliche Eingriffe der eigenen, natürlichen Dynamik (Prozessschutz) überlassen sind.

Die Umweltbildung, Forschung und die stille Erholung zählen ebenso zu den Zielen unseres Parks. Die Wildtierarten (Rotwild, Damwild, Rehwild, Mufflon und Schwarzwild) werden nach ökologischen Erfordernissen gelenkt. Die Jagd findet zeitlich reduziert statt. Ziel ist es, die Tiere auch am Tag dem Besucher erlebbar zu machen. Das Gatter soll gemäß Nationalparkplan „mittelfristig“ entfernt werden.

IUCN-Zertifizierung

Die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation) hat das Ziel, für Natur und Artenschutz zu sensibilisieren. Sie gibt die „Roten Listen“ weltweit gefährdeter Arten heraus und erarbeitet Kategorien für Schutzgebiete. Durch die weltweit gleichen Kriterien der neutralen Weltnaturschutzorganisation ist es möglich, die Qualität von Schutzgebieten zu beurteilen. 2011 verlieh die IUCN dem Nationalpark Kellerwald-Edersee das Zertifikat „Erfüllung der Kriterien für Nationalparke und Einstufung als Nationalpark der Kategorie II der IUCN-Richtlinien“. Damit ist der hessische Nationalpark der erste Nationalpark Deutschlands, der diese hohe Auszeichnung erhielt.

Im Mittelpunkt der Bewertung stand, ob der hessische Nationalpark die Marke von mindestens 75 Prozent nutzungsfreier Zonen erreicht und einen konsequenten Schutz und die natürliche Entwicklung seiner charakteristischen Ökosysteme und Lebensgemeinschaften gewährleistet. Der mit neun Jahren noch sehr junge Nationalpark Kellerwald-Edersee weist bereits heute mehr als 90 Prozent nutzungsfreier Zonen auf.

Geprüft wurde weiterhin, ob Forschung, Umweltbildung, Erholung und Besucherlenkung schutzgebietskonform gesteuert werden und wie das Schutzgebiet in die öffentliche Verwaltung und die Landesplanung eingebunden ist.  Grundlage für die Beurteilung lieferten der Nationalpark-Plan und Überprüfungen durch einen IUCN-Experten vor Ort.